Mai 2018:

Hirschfeld & Heidelberg: Queere Geschichte in der öffentlichen Erinnerung
29.05.18: Veranstaltung im Kulturhaus Karlstorbahnhof, Am Karlstor 1 in Heidelberg. Mit seinem Studium der Medizin und Engagement in der jüdischen Studentenvereinigung Badenia, die mit dem Ziel gegründet wurde, dem zunehmenden Antisemitismus im Deutschen Reich zu begegnen, legte Magnus Hirschfeld während seiner Studienzeit in Heidelberg auf verschiedene Weise Grundlagen für sein späteres Schaffen im Wissenschaftlich-humanitären Komitee und dem Institut für Sexualwissenschaft. Anlässlich seines 150. Geburtstages möchte der Diskussionsabend Magnus Hirschfeld würdigen – als Sexualwissenschaftler, dessen Pionierforschung die Komplexität von Sexualität und Geschlecht in den Blick nahm, sowie als Sexualreformer, der Zeit seines Lebens für die Entkriminalisierung von Homosexualität stritt und sich für Trans*menschen einsetzte.
Bisher taucht queere Geschichte kaum in der historischen Erinnerung Heidelbergs auf. Ausgehend von der Person Magnus Hirschfelds beleuchtet die Veranstaltung die Rolle von LSBTTIQ-Geschichte, Körper- und Geschlechtergeschichte sowie jüdischer Geschichte für das historische Bewusstsein Heidelbergs – und ein lebendiges demokratisches Miteinander.
Prof. Dr. Karen Nolte (Medizinhistorikerin, Universität Heidelberg) diskutiert mit Patsy L’Amour LaLove (Geschlechterforscherin, u.a. Schwules Museum Berlin), Ralf Dose (Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V.), Dr. Christian Könne (Historiker) sowie Dr. Esther Graf und Manja Altenburg (Agentur für Jüdische Kultur).
Veranstaltung im Rahmen der Reihe 150 Jahre Magnus Hirschfeld in Kooperation mit dem Amt für Chancengleichheit der Stadt Heidelberg und der Bundesstiftung Magnus Hirschfel (siehe: http://www.karlstorbahnhof.de/content/gesamtprogramm/2018_05/hirschfeld__heidelberg_queere_geschichte_in_der_oeffentlichen_erinnerung_290518/?c=Literatur&l=Saal.).

 

März 2018:

Frühlingsparty „Vielfalt für Alle“ im Kings Club am 18. März 2018 von 18 bis 22.30 Uhr
18.03.2018: Am Sonntag, den 18. März 2018, findet die Frühlingsparty „Vielfalt für Alle“ im Stuttgarter Kings Club statt. Das Bündnis Vielfalt für Alle lädt tanz- und musikfreudige Menschen ein, gemeinsam mit der LSBTTIQA-Community Vielfalt zu feiern: Queers und Straights, Butches und Femmes, Elfen, Einhörner und Bären, Bauarbeiterinnen und Prinzen, Youngsters, Mid-Agers, Silverstars, Rockstars, Eingeborene, Reingeschmeckte und Geflüchtete sind herzlich willkommen! Auch bei der dritten Party „Vielfalt für Alle“ wird wieder für ein kulturelles Highlight und für Gute-Laune-Musik gesorgt. Die Party findet in Kooperation mit „Heimat – Internationale Wochen gegen Rassismus“ statt (www.heimat-wochen.de). Der Eintritt ist frei. Die Spenden an diesem Abend sollen LSBTTIQ-Geflüchteten zugutekommen. Kurzbeiträge informieren über ihre Situation und über die Flüchtlingsarbeit der Weissenburg e. V., dem Zentrum LSBTTIQ in Stuttgart. Ort und Veranstalter: KINGS CLUB | Calwer Str. 21 | 70173 Stuttgart. Weitere Informationen: www.vielfaltfueralle.info, https://www.facebook.com/buendnis.vielfalt.fuer.alle/  Zum „Appetitmachen“ ein Video der vorletzten Party Vielfalt für Alle: https://www.facebook.com/buendnis.vielfalt.fuer.alle/videos/vb.1092209827476973/1665163900181560/?type=2&theater

Februar 2018:

Ali Erol wieder auf freiem Fuß
06.02.2018:
Nach mehreren Tagen hinter Gittern hat die Türkei den LGBTI-Aktivisten unter Auflagen wieder freigelassen. Erols Vergehen war offenbar, dass er das Schreiben „Nein zum Krieg, Frieden jetzt“ des türkischen Ärzteverbandes auf Twitter erwähnt hatte. Kurz vor Erols Freilassung wurde bekannt, dass die Behörden auch elf Mitglieder des Ärzteverbandes nach sieben Tagen in Haft wieder freigelassen haben (siehe www.queer.de, https://www.nzz.ch/international/die-tuerkische-polizei-nimmt-kritiker-der-offensive-in-afrin-fest-ld.1353833 und http://www.schwulissimo.de/politik/242087/AliErolwiederfrei.htm).

Offener Brief an die Botschaft der Republik Türkei: Sofortige Freilassung von Ali Erol
05.02.2018: Auszüge aus dem Offenen Brief: Am 2. Februar wurde Ali Erol in seiner Wohnung in Ankara wohl wegen Beiträgen in den Sozialen Medien festgenommen und befindet sich seitdem in Haft. Über die genauen Hintergründe seiner Verhaftung liegen seinen Anwält*innen noch immer keine Informationen vor. Ali Erol ist der Mitbegründer des ersten offiziellen LGBTI*-Vereins in der Türkei/Ankara, Kaos GL, der sich seit 1994 für die Rechte von u.a. LGBTI* einsetzt. (…) Die Festnahme von Ali Erol zeigt auf besorgniserregende Weise, wie sehr die Rechte der LGBTI* in der Türkei gerade beschnitten werden. Sie steht zweifellos in einem Zusammenhang mit dem kritikwürdigen Verbot sämtlicher LGBTI*-Aktivitäten, das seit November 2017 für Ankara gilt. Die Verhaftung Ali Erols ist ein weiterer massiver Angriff auf die Meinungsfreiheit sowie auf die gesamte Zivilgesellschaft in der Türkei. Wir fordern daher die sofortige Freilassung Ali Erols und aller anderen LGBTI*-Aktivist*innen und das Ende der Repression gegen Menschen, die sich für gleiche Rechte und Meinungsfreiheit engagieren.“ (siehe Offener Brief – Sofortige Freilassung von Ali Erol und http://www.queer.de/detail.php?article_id=30588)

Januar 2018:

Die vielfältige LSBTTIQ-Geschichte in Baden-Württemberg
Anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus am 27.01.2018 haben Rosa Hilfe Freiburg, die Universität Stuttgart, Hi. Abt. Neuere Geschichte und Weissenburg einen Flyer herausgegeben.  Hier heißt es u. a. , dass eines der Ziele des landesweiten Aktionsplans „Für Akzeptanz & gleiche Rechte Baden-Württemberg“ „die Würdigung der LSBTTIQ-Geschichte als Teil der Landesgeschichte und die Aufarbeitung der Ausgrenzungen, Repressionen und Verfolgungen von Menschen in Baden-Württemberg“ sei, „die nicht der heterosexuellen Norm und/oder traditionellen Vorstellungen von Männlichkeit  und Weiblichkeit entsprechen wollen oder können. Dieser Geschichte widmen sich – auf unterschiedliche Art und Weise – zwei eigenständige Webseiten: www.der-liebe-wegen.org von den Vereinen Weissenburg in Stuttgart und Rosa Hilfe in Freiburg und www.lsbttiq-bw.de von der Abteilung Neuere Geschichte des Historischen Instituts der Universität Stuttgart.“
Die Flyererstellung und -verbreitung wird unterstützt durch die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg sowie dem Institut für Zeitgeschichte, München. Gefördert wurde der Flyer vom Ministerium für Soziales und Interegration Baden-Württemberg: siehe: SieMachenGeschichte_Flyer_Ansicht.

„§ 175: Wenn ein Mann mit einem Mann…“ – Zur Erinnerung an die Verfolgung von Homosexuellen
27.01.2018, Veranstaltung zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus in Ulm, Stadthaus Ulm, 20.00 Uhr:
Bürgermeister Bendel und die Neu-Ulmer Stadtarchivarin Janet Loos begrüßen und führen in den Abend ein. Zu Gast ist Dr. Julia Noah Munier, die an der Universität Stuttgart Lebenswelten und Verfolgung homosexueller Männer im Nationalsozialismus und nach 1945 erforscht. Um die Ulmer Bezüge zu vertiefen, hat sich der Arbeitskreis 27. Januar Ulm/Neu-Ulm auf Quellensuche begeben und eine Lesung erarbeitet, die historische Hintergrundinformationen, Auszüge aus den Verfolgungsdokumenten (Ermittlungsakten, Verhörprotokolle) und berührende Zeugnisse der Verfolgten verbindet. Es lesen die Schauspieler Sibylle Schleicher, Karl Glaser und Christian Streit. Im abschließenden Podiumsgespräch mit Frau Munier, dem Zeitzeugen Helmut Kress und Richter a.D. Klaus Beer geht es vorrangig um die Verfolgung Homosexueller nach 1945.
Veranstalter: Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg e.V. – KZ-Gedenkstätte.

Petition: Erinnern an sexuelle Minderheiten am 27. Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus
15.01.2018: In einer Petition bitten 84 Fachleute in unterschiedlichen Bereichen des Erinnerns den Bundestagspräsidenten sowie sein Präsidium eindringlich, bei der Verstaltung im Bundestag zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus im nächsten Jahr erstmals auch an homosexuelle Männer (unter ihnen vor allem an die KZ-Häftlinge mit dem Rosa Winkel), aber auch an lesbische Frauen und andere aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Orientierung Benachteiligte und Ausgegrenzte im Bundestag zu erinnern. Iniitiert ist diese Petition von Dr. Lutz van Dijk (Historiker und Schriftsteller, Amsterdam / Kapstadt)  und Dr. Friedhelm Krey (Supervisor, Berlin):
Petition – Januar 2018

 

Dezember 2017:

Queer Life in the City – Teil 1: §175, Coming-Out in den 70ern & Rosi
Wie sah queeres Leben in den deutschen Großstädten der 70er, 80er, 90er aus? Was war anders – und was ist gleich geblieben?  Die Doku-Reihe des queeren Social-Media-Kanals SISSY THAT TALK startet in Stuttgart: Laura Halding-Hoppenheit, Hannes Steinert und Ralf Bogen erzählen in emotionalen Interviews wie früher gefeiert und geliebt wurde, aber auch von Protest, AIDS-Krise und Ausgrenzung. Im Teil 1 geht es u. a. um die Folgen des §175: https://www.youtube.com/watch?v=H0gcrewg08k

Wiedergutmachungsbemühungen von Transvestiten und Damenimitatoren nach 1945
Julia Noah Munier und Karl-Heinz Steinle berichten in einem Blog-Beitrag über Wiedergutmachungsbemühungen von Transvestiten und Damenimitatoren nach 1945 auf der Grundlage eines spannenden Quellenfund im Staatsarchiv Ludwigsburg: http://www.lsbttiq-bw.de/2017/12/21/wiedergutmachung-von-transvestiten-und-damenimitatoren-nach-1945/. Es wird u. a. detailliert über Toni Simon berichtet, der nach 1945 „als Original der Stuttgarter Homosexuellenszene“ galt und bereits 1950 eine Eingabe an den FDP-Politiker und Bundesminister der Justiz Thomas Dehler zur „Liberalisierung der Paragraphen 175 und 175a“ iniierte: siehe Lambda- Nachrichten Nr. 1 / 2010, S. 36-39: http://issuu.com/hosiwien/docs/ln110/36.

„TTIQ – wo bist du?“ und „Der Liebe wegen engagiert“
Das Vereinsblätte von Abseitz Stuttgart – der Sportverein für Schwule, Lesben & Freund*Innen Nr. 51 / 2017 mit dem Schwerpunktthema: „TTIQ – wo bist du?“. geht in einem Beitrag auf S. 38 bis 41 auch auf unser Internetprojekt „Der Liebe wegen“ ein: http://www.abseitz.de/files/abseitz/media/abseitz/vereinsblaettle/pdf/AVB51-2017-11.pdf

Grußwort zur Matinee anlässlich des 70. Geburtstags der VVN Württemberg
In der Dezember-Sonderausgabe der Antifa der VVN Baden-Württemberg sind auch Auszüge des Grußwortes von Ralf Bogen vom Internetprojekt „Der Liebe wegen“ anlässlich des 70. Geburtstags der VVN Württemberg veröffentlicht, welches wir hier ungekürzt dokumentieren: Grußwort 70 Jahre VVN-am-3-September-2017

November 2017:

Für einen Ort in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, an dem die Verfolgung und Ermordung von lesbischen Frauen und jenen, denen es nachgesagt wurde, sichtbar wird
22.11.2017: In einer Stellungsnahme des Netzwerks LSBTTIQ Baden-Württemberg heißt es: „(…) wir fordern Sie als Beirat sowie als Vertretung der weiblichen und männlichen Homosexuellen sowie der bisexuellen Frauen und Männer auf, die Lebensrealitäten von lesbischen Frauen und Mädchen, patriarchale Machtverhältnisse und Verfolgungsstrukturen gegen lesbische Lebensweisen während des Nationalsozialismus bei Ihrer Entscheidung mit zu berücksichtigen. Es ist im Sinne einer wissenschaftlichen und politischen Auseinandersetzung notwendig, eine Definition von Verfolgung, die sich ausschließlich an den von den Nationalsozialisten geschaffenen Häftlingskategorien orientiert, zu hinterfragen und intersektional zu erweitern. Wir setzen uns dafür ein, dass mit der „Gedenkkugel“ endlich ein sichtbares Zeichen und ein Ort in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück geschaffen wird, an dem die Verfolgung und Ermordung von lesbischen Frauen und jenen, denen es nachgesagt wurde, sichtbar wird und ihnen gedacht werden kann. Deshalb unterstützen wir die Idee einer Gedenkkugel mit Nachdruck!“

Historischer Beschluss zur Anerkennung der Intersexualität
08.11.2017: In einer Pressemitteilung des Lesben- und Schwulenverband heißt es: Der erste Senat des Bundesverfassungsgerichts hat heute bekanntgegeben, dass die Regelungen des Personenstandsrechts nicht mit den Anforderungen des Grundgesetzes vereinbar sind, soweit sie neben den Einträgen „männlich“ und „weiblich“ keine dritte positive Option zulassen. […] In Deutschland leben schätzungsweise 100.000 Intersexuelle, die mit unterschiedlichen Geschlechtermerkmalen ausgestattet sind und sich einer traditionellen Geschlechtszuordnung entziehen. Während sich viele von ihnen klar als Mann oder als Frau fühlen, lehnen andere eine solche Zuordnung ab oder empfinden sich als einem dritten Geschlecht zugehörig. […] Trotzdem keine medizinische Notwendigkeit besteht wurden und werden durch die medizinische Kategorisierung als Störung oder Krankheit Intersexuelle in Deutschland bis heute gravierenden und irreversiblen chirurgischen und verstümmelnden Eingriffen und hormonellen Behandlungen unterzogen – oftmals bereits im Säuglingsalter. Es handelt sich um schwere Menschenrechtsverstöße.“
(Quelle: https://www.lsvd.de/newsletters/newsletter-2017/intersexuelle-respektieren-biologistische-zweigeschlechtlichkeit-ueberwinden.html;
siehe hierzu auch:
Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts,
http://video.tagesspiegel.de/drittes-geschlecht-eine-historische-entscheidung.html
http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/das-dritte-geschlecht-was-bedeutet-intersexualitaet-a-1177033.html;
https://www.tagesschau.de/inland/intersexuelle-geschlecht-105.html).

August 2017:

Festakt zum 150. Jahrestag der Rede Karl Heinrich Ulrichs

26.8.2017: Zum 150. Mal jährte sich der Auftritt von Karl Heinrich Ulrichs am 29. August 1867 vor mehr als 500 deutschen Rechtsgelehrten auf dem Münchner Juristentag, bei dem er sich mutig als Urning bekannte. Das Forum Homosexualität München organisierte hierfür einen beeindruckenden Festakt, zu der auch drei §175-Zeitzeugen eingeladen waren. Ulrichs (1825- 1895), Gerichtsassessor im Königreich Hannover, wurde mit Berufsverbot belegt, als seine Homosexualität bekannt wurde. Er gilt als der Urvater der Homosexuellenbewegung und war Vorbild für Magnus Hirschfeld, der mit der Gründung des Wissenschaftlich Humanitären Komitees eine verstetigte emanzipatorische Homosexuellenvertretung schuf. Vier Jahre nach Ulrichs Rede wurde 1871 der verhängnisvolle § 175 im Strafgesetzbuch verankert (siehe https://www.der-liebe-wegen.org/1400-1900_eine_kurze_chronologie/#kapitel3).

Das Webprojekt „Vom anderen Ufer?“ ist online – siehe http://www.vom-anderen-ufer.de/
Das Stadtmuseum Ludwigshafen hatte eine Ausstellung zur schwul-lesbischen und queeren Vielfalt im Raum Ludwigshafen/Mannheim initiiert, entwickelt und von November 2015 bis Mai 2016 gezeigt. Daraus entstand die vorliegende Internetseite „Vom anderen Ufer?“, die seit August 2017 online ist (Quelle: http://www.vom-anderen-ufer.de/).

Juli 2017

Bericht über das Internetprojekt „Der Liebe wegen“ in der taz-Kontextwochenendbeilage und im RAIBBOW-Magazin der AIDS-Hilfe Stuttgart
26.7.2017: Oliver Stenzel: „Der Liebe wegen verfolgt“ (Kontext Wochenendzeitung, Ausgabe 330, siehe: 
https://www.kontextwochenzeitung.de/zeitgeschehen/330/verfolgt-der-liebe-wegen-4503.html)
Sonja Elser: „Der Liebe wegen“ – ausgegrenzt und verfolgt im deutschen Südwesten (RAINBOW-Magazin der AIDS-Hilfe Stuttgart Nr. 79 / Sommer 2017, S. 48/49, siehe:
http://www.aidshilfe-stuttgart.de/files/ahst-0003-rainbow-sommer-2017-teil2-1.pdf)

„Wo bist Du mein Schatz?“ – eine Solidaritätsaktion mit den mutigen LSBTTIQ-AktivistInnen der Türkei beim CSD in Stuttgart

29.7.2017: Mit einer „Wo bist Du, mein Schatz“-Solidaritätsaktion bei der CSD Parade in Stuttgart erklären sich die Türkische Gemeinde Baden-Württemberg e. V. und die Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e. V. solidarisch mit den mutigen LSBTTIQ-AktivistInnen in der Türkei. Zwei Wochen nach der Räumung des Gezi-Parks erlebte Istanbul im Jahr 2014 eine der größten Trans und Gay Pride Paraden ihrer Geschichte. Ca. 80.000 bis 100.000 Menschen kamen und riefen Parolen wie: “Wo bist Du, mein Schatz?”,  wobei es zurückschallte: “Hier bin ich, mein Schatz”. Oder: “ich bin schwul, ich bin lesbisch. Ich bin hier. Wir sind hier”. Auch Hunderte von Heteros sollen dies aus Solidarität mitgerufen haben (siehe hierzu Deniz Yücel in seinem Buch “Taksim ist überall”, der ausführlich über den Gay Pride Istanbul berichtete, S. 47ff, Hamburg 2015). In den Jahren 2015, 2016 und 2017 wurden die Pride-Demos mit Polizeigewalt zerschlagen. Dennoch haben sich immer wieder mutige LSBTTIQ-AktivistInnen und ihre FreundInnen in Seitenstraßen neu formiert und ihre Verhaftung und Verletzungen riskiert (siehe http://hotel-silber.de/?p=1850).

Juni 2017:

Behörden verhindern Gay Pride Marsch in Istanbul 2017
25.6.2017 (EuroNews): „Die türkischen Behörden haben die 15. Schwulen- und Lesbenparade in der Metropole Istanbul mit einem hohen Polizeiaufgebot verhindert. Nach einem Verbot der Demonstration am Vortag hielten Sicherheitskräfte die Aktivisten am Sonntag davon ab, sich auf der zentralen Einkaufsstraße Istiklal zu versammeln. Istanbuler Gouverneur hatte die Demonstration für die Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen (LGBTI) am Vortag das dritte Jahr in Folge verboten. Die Behörden erklärten, die Maßnahme gefährde die Sicherheit von Bürgern und Touristen sowie die öffentliche Ordnung. Die Aktivisten hatten dennoch angekündigt, sich gegen Abend im Zentrum Istanbuls zu versammeln. Die Polizei sperrte die zentrale Einkaufsstraße Istiklal jedoch großräumig ab und blockierte auch die Seitenstraßen. (…) Die Verhinderung des Gay-Pride-Marsches stieß auf scharfe Kritik. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck erklärte, das Verbot sei ein klarer Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Er forderte die Bundesregierung zum Handeln auf. (…) Die mehrheitlich muslimischen Türkei gehört zu den wenigen Ländern in der Region, in denen Homosexualität nicht verboten ist. Allerdings kommt es immer wieder zu Übergriffen auf Schwule, Lesben, Bi- oder Transsexuelle.
(siehe http://de.euronews.com/2017/06/25/behorden-verhindern-gay-pride-marsch-in-istanbul
sowie: https://www.youtube.com/watch?v=_DbV2ipCN_Q
und https://www.youtube.com/watch?v=UOF78_T-7y4)

Historischer erster Schritt zur Rehabilitierung der Opfer von § 175
22.6.2017 – Auszüge einer Pressemitteilung des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) zur heute anstehenden Beschlussfassung des Bundestages zur Rehabilitierung und Entschädigung der nach § 175 StGB und weiterer Bestimmungen verurteilten Homosexuellen:
„Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) begrüßt, dass erste rechtspolitische Konsequenzen aus den schweren und massenhaften Menschenrechtsverletzungen gezogen werden, die auch vom demokratischen Staat an homosexuellen Menschen begangen wurden.
Das ist ein historischer Schritt. Es gibt aber bittere Wermutstropfen. Das Gesetz hat gravierende Lücken.
Erstens: Die vorgesehene Entschädigung für die Opfer, die durch eine menschenrechtswidrige Gesetzgebung verfolgt, inhaftiert und ihrer gesellschaftlichen Existenz beraubt wurden, ist viel zu gering. Schon die strafrechtliche Ermittlung nach § 175 StGB bewirkte gesellschaftliche Ächtung, bedeutete oft den Verlust des Arbeitsplatzes und der gesamten beruflichen Karriere. Die Auswirkungen sind bis heute spürbar, zum Beispiel bei der Höhe der Rente. Das muss ausgeglichen werden.
Zweitens: Die CDU/CSU hat in letzter Minute eine Einschränkung bei der Aufhebung der Urteile durchgeboxt, die angeblich dem Jugendschutz dienen soll, in Wahrheit aber neue Ungerechtigkeiten schafft. Selbstverständlich dürfen keine Urteile zu sexuellem Missbrauch aufgehoben werden. Das Gesetz führt aber rückwirkend erneut unterschiedliche Schutzaltersgrenzen zwischen Homo- und Heterosexualität ein. Es bleiben Bereiche von der Rehabilitierung ausgeschlossen, die bei Heterosexualität nie strafbar waren.  […] Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat unterschiedliche Altersgrenzen bei Homo- und Heterosexualität längst als Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention eingestuft.“

Unterstützung für LSBTTIQ Geflüchtete!
20.6.2017, Auszüge aus der Pressemitteilung des Netzwerks LSBTTIQ Baden-Württemberg zum Weltflüchtlingstag 2017: „Am Weltflüchtlingstag […] erinnert das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg an die besondere Situation von LSBTTIQ Geflüchteten. Wir brauchen endlich die Anerkennung der besonderen Schutzbedürftigkeit von LSBTTIQ Geflüchteten und Unterstützung für deren spezifischen Bedarfe.
LSBTTIQ Geflüchtete verlassen aus sehr verschiedenen Gründen ihr Herkunftsland. Manche versuchen einem Krieg zu entkommen, andere werden als politische Aktivist_innen verfolgt. Nicht immer ist ihre sexuelle Orientierung, ihre nicht-heterosexuelle Lebensweise, ihre Transsexualität, Intergeschlechtlichkeit oder das Leben zwischen den Geschlechtern der zentrale Grund für die Flucht. Dennoch gilt für sie alle, dass sie aus Gesellschaften fliehen, in denen ihnen Ausgrenzung, Zwangsverheiratung, Gefängnisstrafen, Folter oder gar die Todesstrafe drohen. „Hier ist es Aufgabe von Erstaufnahmestellen, Behörden und Mitarbeiter_innen in der Geflüchtetenarbeit in Baden-Württemberg, besonderen Schutz zu leisten, angemessene Begleitung zu bieten und eine faire Chance im Asylverfahren zu gewähren“, fordert Ulrike Goth vom Sprechendenrat des Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg. […] Informationen zu den Angeboten des Netzwerks LSBTTIQ Baden-Württemberg für Geflüchtete und Kontakt zu unterstützenden Gruppen sind auf folgender Webseite zu finden: http://netzwerk-lsbttiq.net/refugee.“

 

Mai 2017:

§ 175: Manfred Lucha fordert umfassende Rehabilitierung
17.5.2017: Zum Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie drängt Sozialminister Manne Lucha (Grüne) auf eine umfassende Rehabilitierung verfolgter Homosexueller. Zwar sollen nun Menschen entschädigt werden, die auf der Grundlage des 1994 abgeschafften „Schwulen-Paragrafen“ 175 verurteilt wurden. „Der Bundestag sollte aber prüfen, ob auch von Ermittlungen Betroffene in die Entschädigung einbezogen werden können“, sagte Lucha in Stuttgart. Nicht nur Verurteilungen, auch bereits Ermittlungen führten „nicht selten zum sozialen Tod“. (Quelle: Stuttgarter-Nachrichten, 17.05.2017)

Kunstausstellung: WE ARE PART OF CULTURE
13.5.2017: Das Projekt 100% MENSCH eröffnete am 13. Mai 2017 seine Geschäftsstelle in Stuttgart Bad Cannstatt in der Bochumer Straße 2. Das gemeinnützige Projekt 100% MENSCH plant für das Jahr 2017/18 eine Diversity-Kunstausstellung zum prägenden Beitrag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern, Transsexuellen, Intersexuellen und queeren Menschen an der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung Europas. (…) Ziel der Ausstellung ist es, die sonst häufig thematisierte „Opferrolle“ aufzubrechen und die teilweise bahnbrechenden Leistungen zu präsentieren. Die Begleittexte zu den Kunstwerken, der Ausstellungskatalog sowie die Informationsmaterialien werden auf deutsch, englisch und arabisch erstellt. […] Die offizielle Vernissage erfolgt am 27. September im Berliner Hauptbahnhof (Quelle: http://www.wearepartofculture.de/wp-konzept.html)

„Gegen alle Widerstände“ – Talksendung Nachtcafè u. a. mit Heinz Schmitz
5.5.2017: Um 22 h wird im SWR Fernsehen die nächste Ausgabe der Talksendung Nachtcafé gesendet. Sie hat das Motto „Gegen alle Widerstände“. Zu Gast sein wird auch Heinz Schmitz (*1943 in Freiburg), der über seine Verurteilung nach § 175, seine Ehe und spätes Coming-out wie auch über die Auswirkungen seines „zweiten Coming-outs“ als Verurteilter berichten wird (Quelle: Email von Karl-Heinz Steinle vom 2. Mai 2017).

April 2017:

Universität Stuttgart entschuldigt sich für Nazi-Unrecht an 440 Menschen – unter ihnen auch § 175-Opfer
19.4.2017: Die Universität Stuttgart ermittelt zur Zeit alle ihre Mitglieder, die während der NS-Zeit durch die Hochschule selbst entrechtet und verfolgt wurden (entlassene Professoren, Assistenten, Dozenten und Mitarbeiter/innen, zwangsexmatrikulierte Studierende, Zwangsarbeiter u.a.). Anfang Februar 2017 hat die Universität Stuttgart schon eine Gedenkfeier zur Ehrung der Verfolgten durchgeführt:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.universitaet-stuttgart-arbeitet-nazi-vergangenheit-auf-440-opfer-von-unrecht-und-verfolgung-ermittelt.4737d708-7f7c-4ff2-b822-17b61fe8514f.html
http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/uni-entschuldigt-sich-fuer-nazi-unrecht-an-440-menschen–133257225.html
Zu den Verfolgten gehören auch zwei Studenten die von der Hochschule verwiesen, weil sie aufgrund eines Vergehens nach dem damaligen §175 Strafgesetzbuch gerichtlich verurteilt worden waren. Die Rechercheergebnisse werden in einem Buch veröffentlichen, dessen Schwerpunkt in den Biographien der Betroffenen liegt. Die Pressemeldung, dass das Buch schon erschienen sei, ist falsch (Quelle: Email vom 19.4.2017 von Herrn Dr. Beckers von der Universität Stuttgart).

Strafrechtliche Reha­bilitierung homosexueller Männer
28.4.2017: Am Freitag, den 28. April 2017 fand im Deutschen Bundestag die erste Lesung des Gesetzes zur Rehabilitierung und Entschädigung der in der Bundesrepublik wegen § 175 verurteilten Männer statt: siehe https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2017/kw17-de-rehabilitierung/501820. Zu diesem Anlass hatte Justizminister Maas fünf betroffene Zeitzeugen als Ehrengäste eingeladen, die der Lesung auf der Ehrentribüne des Bundestages beiwohnten. Unter ihnen waren Helmut Kress aus Tübingen und Heinz Schmitz aus Freiburg, deren Interviews auf dem Internet-Portal zu Lebensgeschichten, Repression und Verfolgung von LSBTTIQ in Baden und Württemberg, www.lsbttiq-bw.de zu sehen sind (Quelle: Email von Karl-Heinz Steinle vom 25.04.2017).

Verfolgten aus Tschetschenien Aufnahme anbieten
26.4.2017: Anfang April berichtete die russische Zeitung Nowaja Gaseta erstmalig von einer brutalen Verfolgungswelle durch staatliche Milizen gegen schwule und bisexuelle Männer in Tschetschenien. Mehr als 100 Männer wurden in Geheimgefängnisse verschleppt und gefoltert. Bislang weiß man von drei namentlich bekannten ermordeten Männern. (…) In der Fragestunde bei der heutigen Bundestagssitzung hat der Staatsminister im Auswärtigen Amt Michael Roth bestätigt, dass die Bundesregierung die Berichte über brutale staatliche Verfolgung von Homosexuellen in Tschetschenien als glaubwürdig einstuft, ihnen nachgeht und die Deutsche Botschaft in Kontakt mit Betroffenen steht. Dazu erklärt Uta Schwenke, Sprecherin des Lesben- und Schwulenverband (LSVD): „Die russische Organisation LGBT Network hofft […], Flüchtlinge ins Ausland vermitteln zu können, gerade weil diese auch in Russland nicht sicher vor weiterer Verfolgung seien. Deutschland muss gefährdeten Personen aus Tschetschenien schützen, ihnen die Aufnahme anbieten und die Visa-Vergabe für Betroffene lockern. […] Merkel muss auf die sofortige Freilassung aller verschwundenen Männer, das Ende der brutalen Verfolgung, die lückenlose Aufklärung der Vorkommnisse sowie die Strafverfolgung für Täter*innen bestehen.“ (Quelle: Email vom LSVD vom 26.4.2017)

 

März 2017:

Das Onlineprojekt Lesbengeschichte: „http://www.lesbengeschichte.org/
27.3.2017: Heute sind wir per Mail auf das Onlineprojekt Lesbengeschichte aufmerksam gemacht worden, worin es u. a. heißt:
„Jeder sozialen Gruppe muß ihre eigene Geschichte zugänglich sein. Das Wissen über unsere Vergangenheit gibt uns kulturelle Wurzeln und ein Erbe von Vorbildern und Erfahrungen, von denen wir lernen und denen wir nacheifern oder denen nicht zu folgen wir uns entscheiden können. Uns lesbischen Frauen ist grundsätzlich alles Wissen über unsere Vergangenheit vorenthalten worden. Dies ist vorsätzlich geschehen, denn es hält uns unsichtbar, isoliert und machtlos. (…) Die Unterdrückung der lesbischen Lebensform erstreckt sich über die Kontrolle zeitgenössischer Vorstellungen und Informationen hinaus auch auf die Kontrolle historischen Wissens.“1
Derzeit suggerieren gerade großstädtische lesbische, lesbisch-schwule, queere und transgender subkulturelle Szenen vorschnell Sichtbarkeit und Selbstverständlichkeit lesbischer Lebensweisen. Aber auch heute noch leben viele Lesben versteckt, sind unsichtbar und isoliert […].
Mit diesem online-Projekt wollen wir lesbische Frauen […] in ‚der‘ Geschichte sichtbar machen – mit ihren individuellen Lebensgeschichten wie auch bezogen auf etwaige ‚kollektive‘ Zusammenhänge frauenliebender Frauen. Das online-Projekt Lesbengeschichte zielt auf historische und aktuelle Sichtbarkeit und versteht sich als Teil des Widerstands gegen Enthistorisierung lesbischer Existenzen und Aktivitäten. Die De/Konstruktion von Geschichte steht für uns nach wie vor im Zeichen von Erinnerungskultur, historischem Lernen und für die Möglichkeit – nicht zwingende Notwendigkeit – historisch positiver Identifikation/en wie auch Abgrenzung/en.

Bundesregierung will verurteilte homosexuelle Männer rehabilitieren
22.3.2017: Die Bundesregierung hat heute den vom BMJV (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz) vorgelegten Entwurf eines Gesetzes zur strafrechtlichen Rehabilitierung der nach dem 8. Mai 1945 wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen verurteilten Personen und zur Änderung des Einkommensteuergesetzes beschlossen:
„Die Rehabilitierung der Männer, die allein wegen ihrer Homosexualität vor Gericht standen, ist überfällig. Nur wegen ihrer Liebe zu Männern, wegen ihrer sexuellen Identität, wurden sie vom deutschen Staat verfolgt, bestraft und geächtet. Die alten Urteile sind aus heutiger Sicht eklatantes Unrecht. Sie verletzen jeden Verurteilten zutiefst in seiner Menschenwürde. […]
Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld arbeitet bereits an einer Aufarbeitung und Dokumentation der einzelnen Schicksale. Wir werden die wichtige Aufgabenerfüllung der Bundesstiftung ab 2017 allgemein über eine institutionelle Förderung in Höhe von jährlich 500.000 Euro aus dem Haushalt des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz stärken und sichern. Denn: Es ist nicht allein damit getan, dass wir die Urteile aufheben, in der Öffentlichkeit aber kaum bekannt ist, worum es überhaupt geht.“
(Weitere Hintergrundinformationen unter http://www.bmjv.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2017/03222017_Paragraph_175.html). Siehe hierzu auch folgende Videos/Filme:

Gedenken an lesbische Frauen und Mädchen im KZ Ravensbrück
10.3.2017: Aus einem Email von „Autonome feministische FrauenLesben aus Deutschland und Österreich“ geht hervor, dass es mittlerweile mit den Gremien der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätte einen Konsens darüber gibt, dass es ein dauerhaftes Gedenken an lesbischen Frauen im ehemaligen Frauenkonzentrationslager Ravensbrück geben soll. „Nur“ noch bei der Frage des „wie“ gibt es nach wie vor unterschiedliche Standpunkte und Vorschläge. Die „Autonome feministische FrauenLesben aus Deutschland und Österreich“ hatte beantragt: „Entsprechend der Leitlinien der Mahn- und Gedenkstätten Ravensbrück/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten … beantragen wir wie folgt eine Gedenktafel bzw. ein Erinnerungszeichen mit der Inschrift: In Gedenken aller lesbischen Frauen und Mädchen im Frauen-KZ Ravensbrück und Uckermark. Lesbische Frauen galten als „entartet“ und wurden als „asozial“, als widerständig und ver-rückt und aus anderen Gründen verfolgt und ermordet. Ihr seid nicht vergessen!
Sowohl in der Sitzung des Internationalen Beirats am 14. November 2016 als auch in der Fachkommission am 6.12. 2016 hätte es zu dieser Inschrift kontroverse Diskussionen gegeben. Der Beschluss der Beiratssitzung wird wie folgt zitiert: „Nach intensiver und kontroverser Diskussion kann derzeit kein Beschluss für oder gegen den Antrag gefasst werden. Kompromisse wären der frühere Konsensvorschlag oder die Nennung konkreter Namen.“ Der frühere Formulierungsvorschlag aus dem Jahr 2011 lautete: „Im Gedenken an lesbische Frauen, die aus politischen, religiösen, rassistischen oder sozialen Gründen im KZ Ravensbrück in den Jahren 1939-1945 inhaftiert waren.“
Eine endgültige Entscheidung sei auf den 5. Mai 2017 verschoben worden (siehe hierzu auch: http://www.konnys-lesbenseiten.de/ und die Auseinandersetzung um das „Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen“ in 2010: http://www.homo-denkmal.de/index.php?view=article&id=84 und http://www.homo-denkmal.de/files/Offener%20Brief%20-%20Staatsminister%20Neumann%20100318.pdf)

Maghreb-Staaten sind nicht sicher
10.3.2017: Der Bundesrat hat der Einstufung von Algerien, Marokko und Tunesien als „sichere Herkunftsstaaten“ nicht zugestimmt. Dazu erklärt Stefanie Schmidt, Sprecherin des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD): „Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) begrüßt die heutige Entscheidung des Bundesrates, einer Einstufung von Algerien, Marokko und Tunesien als „sichere Herkunftsstaaten“ nicht zuzustimmen.
In allen drei Staaten werden Menschenrechte verletzt, Homosexuelle als soziale Gruppe verfolgt und einvernehmliche Sexualität unter Erwachsenen gleichen Geschlechts mit hohen Gefängnisstrafen bedroht. Menschen werden eingesperrt und misshandelt, nur weil sie anders lieben. Die letzte bekannt gewordene Verurteilung zweier Männer wegen gleichgeschlechtlichen Handlungen in Marokko liegt gerade einmal zwei Wochen zurück.
Staaten als „sicher“ zu deklarieren, die Homosexualität kriminalisieren, stellt Menschenrechtsverfolgungen einen Persilschein aus. Das wäre ein schwerer Schlag für einen glaubwürdigen Kampf zur weltweiten Entkriminalisierung von Homosexualität. Der LSVD ist froh, dass der Bundesrat diesen menschenrechtlich fatalen Weg nicht mitgeht. Wir danken allen Landespolitikerinnen und Landespolitikern, die hier standhaft geblieben sind und die Verharmlosung der Menschenrechtslage in den Maghreb-Staaten nicht mitmachen.“

 

Februar 2017:

Die Website „Der Liebe wegen“ in den Medien
Der Liebe wegen gedemütigt und verfolgt (Badische Zeitung)
7.2.2017, Uwe Bogen: Schwule und Lesben im Südwesten: Verfolgt und gejagt – der Liebe wegen (Stuttgarter Nachrichten und Stuttgarter Zeitung)
7. und 8.2.2017: Radio Dreyecksland: Neue Website zu aufgrund ihrer Sexualität Verfolgten im deutschen Südwesten
In mehreren Internetportalen sind Beiträge über unsere Website erschienen:
z. B. bei der Landeszentrale für politische Bildung, bei Schwulst online, bei Beobachternews – Magazin für politische Bewegung im Südwesten oder auf der Website des universitären Forschungsprojektes www.lsbttiq-bw.de.

Neues Grußwort
Seit dem 25.2.2017 haben wir ein neues Grußwort erhalten und unter der Rubrik „Grußworte“ veröffentlicht: und zwar von Dr. Martin Ulmer
Mitglied des Sprecherrats der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Gedenkstätteninitiativen in  Baden-Württemberg (LAGG) – herzlichen Dank hierfür.

Hörtipp: Der Paragraf 175 – Langes Warten auf Gerechtigkeit
(Deutschlandfunk vom 28.2.2017)
http://www.deutschlandfunk.de/der-paragraf-175-langes-warten-auf-gerechtigkeit-fuer.724.de.html?dram:article_id=380137

Januar 2017

Zum Erkenntnis- und Forschungsstand über Kastrationen homosexueller Männer in der Nachkriegszeit vor dem Hintergrund der aktuellen §175-Entschädigungsvorhaben
Ausgelöst durch den Exkurs „Kastration homosexueller Männer in der Nachkriegszeit“ auf unserer Website und vor dem Hintergrund der aktuellen §175-Entschädigungsvorhaben sind hierzu mehrere Presseberichte erschienen:
25.1.2017, Sascha Maier: Kastriert, der Liebe wegen (Stuttgarter Nachrichten und Stuttgarter Zeitung);
25.1.2017, queer.de: §175: Noch bis Ende der Sechzigerjahre wurden Schwule kastriert (mit 41 Kommentaren);
25.1.2017, Männer: Schwule noch bis in 1960er kastriert;
7.2.2017, Gay News Europe: Homosexuelle vor ein paar Jahrzehnten kastriert;
17.2.2017, TEDDY AWARD Preisverleihung, Berlin: Bühnengespräch zum §175 mit dem Berliner Justizsenator (ab ca. Minute 33, ab ca. Minute 39 Kastrationen in den 60er Jahren im Gefängnis in der Nähe von Stuttgart).
Da wir zum Thema mehrere Nachfragen erhalten haben, wollen wir Folgendes dazu anmerken: der Historiker Jens Kolata forschte zu Kastrationsoperationen, die während des Nationalsozialismus an der Chirurgischen Universitätsklinik Tübingen durchgeführt wurden (siehe hierzu https://www.aerztekammer-bw.de/aerzteblatt/aebw-archiv/2015/Aerzteblatt_Baden-Wuerttemberg_11-2015.pdf, S. 564-567).
Per Zufall ist er dabei auf eine 1980 erschienene Studie von Nikolaus Heim mit dem Titel „Die Kastration und ihre Folgen bei Sexualstraftätern“ gestoßen, die sich u. a. mit Kastrationen von homosexuellen Männern im Vollzugsgefängnis Hohenasperg bei Ludwigsburg im Zeitraum zwischen April 1963 und August 1978 befasst. Er hat mich, Ralf Bogen, darüber informiert, worauf ich ihn bat, für unsere Website einen kurzen Beitrag über den Fund zu verfassen.
Leider haben wir zum Thema keine über das in dem Exkurs Geschriebene hinausgehende Erkenntnisse. Weder Jens Kolata noch wir anderen Projektbeteiligten von „Der Liebe wegen“ verfügen über die nötigen zeitlichen Kapazitäten hierzu vertiefend zu recherchieren. Wir haben PD Dr. Cüppers vom Forschungsprojekt „LSBTTIQ in Baden und Württemberg. Lebenswelten, Repression und Verfolgung im Nationalsozialismus und der Bundesrepublik Deutschland“ der Universität Stuttgart gebeten, diese Kastrationen als auch Isolationshaft von §175-Strafgefangenen bis in die 1960er Jahre umfassend aufzuarbeiten, was dieser bereits zugesagt hat. Dies wird aber noch eine gewisse Zeit benötigen.

Warum gibt es sowohl www.der-liebe-wegen.de als auch www.lsbttiq-bw.de?
Schon lange war es Wunsch der regionalen LSBTTIQ-Selbstorganisationen und der außeruniversitär Forschenden in Baden-Württemberg, in einem staatlich geförderten Forschungsprojekt die Ausgrenzungs- und Verfolgungsgeschichte von LSBTTIQ-Menschen in der Region des heutigen Baden-Württemberg aufzuarbeiten und in einem Internetprojekt für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen, – sehr gerne gemeinsam mit der universitären Geschichtsforschung.
Es kam anders: das Historische Institut der Universität Stuttgart, die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und das Institut für Zeitgeschichte erhielten Fördergelder, ohne eine Einbindung der regionalen LSBTTIQ-Selbstorganisationen und der außeruniversitär Forschenden von Anfang an realisieren zu müssen. Dabei wäre bereits bei Konzeption und Zielfindung des mehrteilig angelegten Forschungsprojekts der „Etablierten“ eine Beteiligung der „Nicht-Etablierten“ kein Nachteil gewesen, – schade um die dort verpassten Chancen.
Der Start des universitär geleiteten Forschungsprojekts „LSBTTIQ in Baden und Württemberg. Lebenswelten, Repression und Verfolgung im Nationalsozialismus und der Bundesrepublik Deutschland.“ ohne Beteiligung der langjährig engagierten Community blieb von dieser natürlich nicht unkommentiert und hat diese erneut „bewegt“:
In Kooperation von Weissenburg e. V., Stuttgart, und Rosa Hilfe Freiburg e. V. wurde ein Antrag auf Fördermittel im Rahmen des Aktionsplans der Landesregierung für Akzeptanz und gleiche Rechte gestellt: Ziel war die Realisierung des Internetprojekts „Der Liebe wegen“. Unter diesem Titel sollte und wird nun der Erkenntnisstand außeruniversitär Forschender zur Ausgrenzungs- und Verfolgungsgeschichte zusammenfassend dargestellt.
Zum Zeitpunkt der Antragstellung war den Beteiligten aus der Community nicht bekannt, dass im Rahmen des universitär geleiteten Forschungsprojekts von Beginn an, – d. h. zu einem Zeitpunkt, zu dem noch keine universitären Forschungsergebnisse aus dem Projekt heraus vorliegen konnten –, ebenso ein Internetportal vorgesehen war.
Nun gibt es also gegenwärtig zwei Internetportale zum Thema. Seitdem wir wissen, dass dem so ist, setzen wir uns für eine abgestimmte Öffentlichkeitsarbeit ein. Für Ende März / Anfang April 2017 sind weitere Gespräche hierzu vereinbart, nicht die ersten Gespräche und sicher auch nicht die letzten. Wir wünschen eine Zusammenarbeit, die alle Beteiligten als Bereicherung erleben können, zumal bei einigen wichtigen Themen die Möglichkeiten und zeitlichen Kapazitäten außeruniversitär Forschender an Grenzen gelangen, um deutliche Fortschritte zu erreichen. Als Beispiele seien hierfür genannt:

  • die Geschichte der Repression geschlechtlicher Vielfalt in der Region des heutigen Baden-Württemberg während des Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit;
  • Schnittmengen, Wechselwirkungen und Zusammenhänge zwischen einer patriarchalisch-repressiven Geschlechter- und Familienpolitik, der Frauen- und LSBTTIQ-Emanzipationsbewegungen, insbesondere der Lesbenbewegung, in der Region des heutigen Baden-Württemberg;
  • die umfassende Aufarbeitung von Kastrationen und Isolationshaft von §175-Strafgefangenen bis in die 60er Jahre in Baden-Württemberg;
  • eine Aufarbeitung der Rolle der Kirchen sowie der Universitäten (hier insbesondere die Lehrinhalte bei den Studienfächer Psychiatrie, Medizin, Psychologie, Religionswissenschaften, Geschichte) bei der Ausgrenzung, Verfolgung und Pathologisierung von LSBTTIQ-Menschen.

Wir empfehlen das Internetportal www.lsbttiq-bw.de, da hier viele interessante Beiträge noch einmal von einem anderen Blickwinkel erstellt, ausgewählt und veröffentlicht wurden und noch werden, insbesondere die sehr wichtigen und spannenden Zeitzeug_innen-Videointerviews, die man sich hier anschauen kann (siehe http://www.lsbttiq-bw.de/zeitzeuginnen-interviews/ ).